QM Boulevard Kastanienallee | Das Quartier

Das Quartier Boulevard Kastanienallee

Gebietskarte des Quartiersmanagements Boulevard Kastanienallee

Gebietskarte des Quartiersmanagements Boulevard Kastanienallee

Das Quartier im Förderprogramm
„Soziale Stadt“

Das etwa 55 Hektar große Gebiet mit 6.180 Einwohnerinnen und Einwohnern (Stand 31.12.2017) liegt in Hellersdorf-Ost und wird nordwestlich von der Hellersdorfer Straße begrenzt. Weitere Gebietsgrenzen bilden die Riesaer Straße, die Nossener Straße und die Carola-Neher-Straße. Namensgebend ist ein 1987 angelegter Fußgängerbereich. Er beginnt an der Fußgängerbrücke des U-Bahn-Trasse, führt bis zur Glauchauer Straße und ist beidseitig mit Kastanienbäumen bepflanzt. Damit folgt er der alten Wegeverbindung zwischen Eiche und Kaulsdorf. Um Verwechslungen mit der gleichnamigen Straße auf der anderen Seite der U5 zu vermeiden, erhielt er um das Jahr 2000 den Zusatz „Boulevard“.

Die Baustruktur, bestehend aus einer fünf- bis sechsgeschossigen Blockbebauung, wurde in der ersten Hälfte der 1980er Jahre in Plattenbauweise errichtet. Die Wohnbebauung entlang des in Nord-Süd-Richtung durch das Gebiet führenden Boulevards Kastanienallee befinden sich in den Erdgeschosszonen der Häuser Ladenlokale für die Versorgung der Wohnbevölkerung.

Die Ansiedlung neuer großer Einkaufszentren in Verbindung mit dem sinkenden Haushaltseinkommen im Kiez führten ab Ende der 1990er Jahre zur Abwanderungen des lokalen Handels und zu steigendem Leerstand. In jüngerer Zeit haben sich zu dem noch verbliebenen Gewerbe soziale Träger in ehemals ungenutzten Ladenlokalen angesiedelt und tragen mit ihren Angeboten zur Aufwertung des Boulevards bei. Eine dauerhafte Strategie für eine hohe Nutzungsvielfalt am Boulevard Kastanienallee soll im Rahmen des QM-Verfahrens erarbeitet werden.

Auch bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen und Grünanlagen sowie im Bereich der Bildungseinrichtungen bestehen eine Reihe von städtebaulichen Defiziten.

Ohne eine Intervention bzw. Moderation bestünde die Gefahr, dass eine soziale Spaltung zwischen der langjährigen Bewohnerschaft und Zugezogenen sowie Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten entsteht bzw. dahingehende, bereits wahrnehmbare Ansätze sich weiter verfestigen. Das Wohngebiet wurde daher vom Berliner Senat Ende 2015 als Fördergebiet der „Sozialen Stadt“ festgelegt. Seit April 2016 ist ein Quartiersmanagement vom Land Berlin und vom Bezirk Marzahn-Hellersdorf beauftragt, eine nachhaltige Gesamtstrategie mit allen Interessensgruppen im Wohngebiet zu entwickeln und umzusetzen.

Investitionen in die Infrastruktur, den öffentlichen Raum und das Wohnumfeld sollen Akteure im Quartier zusammenzubringen und aktivieren, um den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu stärken.

Soziale Indikatoren

Laut dem Bericht “Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2017” weist das Quartier eine sehr hohe soziale Problemdichte (Stand: 31.12.16)  auf. Die insbesondere durch eine überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit von 12,35% (Berlin: 6,66%), eine Langzeitarbeitslosigkeit von 3,46% (Berlin: 2,14%) und Jugendarbeitslosigkeit von 7,54% (Berlin: 3,66%) zu Tage tritt. Der Anteil von Beziehern von Transferleistungen ist mit 29,88% (Berlin: 13,44%) ebenfalls überdurchschnittlich hoch. Der Indikator für die Kinderarmut liegt bei 57,37% (Berlin: 30,55%) und der für die Altersarmut bei 7,14% (Berlin: 5,52%).

In vielen Familien bestehen vielfältige Problemlagen, die auch mit gesundheitlichen Defiziten einhergehen. Auffällig sind bei Kindern und Jugendlichen häufige Entwicklungsverzögerungen im motorischen Bereich und gesundheitliche Probleme. Kinder im Wohngebiet sind von Armut überdurchschnittlich betroffen, was auch ihre Bildungs- und Entwicklungschancen beeinträchtigt. Familien mit Kindern haben daher einen besonderen Unterstützungsbedarf.

Charakteristisch für das Gebiet sind hohe Zuzugs- und Fluktuationsraten, weniger als die Hälfte (49,16% / Stand 31.12.16) der Haushalte leben länger als fünf Jahre im Gebiet (Berlin: 62,25%) . Seit einigen Jahren gibt es einen verstärkten Zuzug von Familien mit Migrationshintergrund. Hierdurch hat das Quartier zunehmend mit neuen Zuwanderergruppen zu tun. Der Anteil der Bewohnerschaft mit Migrationshintergrund liegt bei 28,16% (Berlin: 31,38% / Stand: 31.12.16).

Ziele der Gebietsentwicklung

Das Gebiet soll entsprechend dem Bezirksregionenprofil Hellersdorf Ost als familiengerechter, vielfältiger und lebendiger Stadtteil entwickelt werden. Wesentliche Bausteine sind dafür:

  • Der Ausbau einer bedarfsgerechten sozialen Infrastruktur und Versorgung,
  • die Aufwertung und Einrichtung von großzügigen öffentlichen Anlagen für barrierefreie Mobilität,
  • die Stabilisierung der Sozialstruktur, Verbesserung der Chancengleichheit und Förderung armutsbekämpfender Strukturen,
  • die Aufwertung und Belebung des öffentlichen Raumes und die Verbesserung der räumlichen Verbindungen, insbesondere des klimafreundlichen Individualverkehrs (Radfahrer, Fußgänger).

Akteurs- und Kooperationsstrukturen vor Ort

In der Bezirksregion Hellersdorf Ost gibt es eine Vernetzungsrunde vom Jugendamt, in der sich Akteure der Kinder- und Jugendhilfe und angrenzender Bereiche austauschen. Im Planungsraum bestehen weitere Kooperationen und Netzwerke, wie die Nachbarschaftsinitiative Schleipfuhl oder der Nachbarschaftsdialog, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingsarbeit ab 2013 entstanden sind. Darüber hinaus gibt es das Kooperationsforum der Alice-Salomon-Hochschule und der Aufbau eines lokalen Bildungsverbundes ist in Planung.